Content, Links und SEO

Ein Podcast für Content-Marketing, Linkaufbau und Suchmaschinenoptimierung – auch im Zeitalter der KI

CLS 56

Eine Affiliate-Website in unter 2 Jahren aufbauen und für über 1 Mio. USD verkaufen

· von Saša Ebach · aktualisiert am

Matt Diggity von der Agentur DIGGITY marketing redet auf dem Nomad Summit 2020 Chiang Mai darüber, wie man erfolgreich eine Affiliate-Website kauft, ausbaut, umbaut, optimiert, monetarisiert und wieder verkauft. Ich fand’s sehr unterhaltsam und lehrreich.

Wenn du lieber den Vortrag selbst sehen möchtest, dann findest du den hier:

SEO and Website Flipping: Matt Diggity – Nomad Summit CM2020

Transkript dieser Folge

Automatisch erstellt und leicht bearbeitet. Anmerkungen in Klammern sind Ergänzungen vom 24. Oktober 2026.

Die Affiliate-Website für über eine Million Dollar

Eine Affiliate-Website aufbauen und in unter zwei Jahren für über eine Million Dollar verkaufen. Das ist das Thema des Vortrags von Matt Diggity auf dem Nomad Summit 2020 in Chiang Mai, Thailand.

Matt ist ein umtriebiger Unternehmer. Er ist Website-Affiliate, Agenturinhaber, Linkaufbau-Dienstleister und Veranstalter der SEO-Konferenz in Chiang Mai.

Ich war persönlich nicht auf dem Vortrag, obwohl ich mir das vorgenommen hatte und auch ganz in der Nähe war. Aber wir können von Glück reden, dass der Veranstalter Johnny FD die Vorträge immer als Video auf YouTube zur Verfügung stellt, so auch bei diesem Vortrag. Er ist ca. 45 Minuten lang, und ich fasse ihn jetzt für dich zusammen.

Matt eröffnet mit der Aussage, dass Affiliate-Projekte oder Websites allgemein für den 40-fachen Monatsgewinn veräußert werden können. Mit anderen Worten: Wenn eine Website 25.000 Dollar Gewinn im Monat erzielt, dann lässt sie sich für eine Million Dollar verkaufen.

Matt spricht auch über ein Beispielprojekt aus eigener Produktion. Im Juli 2017 erzielte er damit schon 2.000 Dollar monatlichen Gewinn. Der Gewinn steigt bis Dezember 2017 auf 5.700 Dollar und springt dann in die Region von 15.000 bis 20.000 Dollar. Ungefähr ein Jahr später, im Dezember 2018, steigt er auf 30.000, dann auf 40.000 und im März 2019 auf 50.000 Dollar. Das Projekt rankte zu diesem Zeitpunkt mit über 450 Begriffen in den Top 10 und erhielt ungefähr 300.000 Besucher pro Monat.

In seinem Talk geht Matt auf diverse Punkte ein: warum man überhaupt eine Website kaufen sollte, seine Audit-Methode, mit der er herausfindet, wie viel die Website wirklich wert ist, welche On-Site-Optimierungsmöglichkeiten es gibt, Backlink-Strategien für 2020, Content, kreative Monetarisierung und wie man einen sechs- bis siebenstelligen Exit vorbereitet.

Warum eine Website kaufen und wie man sie bewertet

Matt zieht es heutzutage eher vor, eine Website zu kaufen, als eine von Anfang an aufzubauen. So lässt sich die gefürchtete Sandbox vermeiden, also die Phase, in der es im Prinzip egal ist, was man macht: Es gibt keine Rankings und keinen Traffic, und das in den ersten sechs bis zwölf Monaten. Außerdem sieht man bei einem Website-Kauf ganz genau, wie hoch die Einnahmen tatsächlich sind und wie profitabel die Nische ist. Das lässt sich viel besser abschätzen, und so lässt sich zum Beispiel auch der Einsatz von Ressourcen viel besser durchplanen.

Matt empfiehlt, bei der Analyse eine Art Good-Cop-Bad-Cop-Strategie anzuwenden. Es geht darum, verschiedene Punkte abzuklopfen und herauszufinden, ob es sich wirklich lohnt, diese Website zu kaufen.

Der gute Cop schaut zum Beispiel auf die Nische. Man gibt die Begriffe bei Google Trends ein und guckt, ob es tatsächlich einen Trend gibt und ob sich der Begriff oder das Keyword-Set automatisch nach oben entwickelt. Oder befindet sich die Website gar in einer der wirklich großen Nischen, also zum Beispiel Geld oder Gesundheit? Das sind Themen, bei denen ohnehin ständig die Leute ihr Portemonnaie rausholen.

Bei der Analyse der Website stellt sich vielleicht heraus, dass es deutlich mehr Produkte gibt, für die sich noch Reviews erstellen lassen, dass also nur ein Teil der Produkte aus der Nische abgedeckt ist. Wird die Website hauptsächlich über das Amazon-Affiliate-Programm monetarisiert? Wenn ja, ließe sich das gegen Partnerprogramme austauschen, die direkt auf die Hersteller zurückgehen. Matt wusste zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich noch nicht, dass Amazon im April 2020 in vielen Bereichen die Provision der Affiliates um 50 bis 80 % kürzen würde.

Gibt es viele Produkte, die gar nicht mehr lieferbar sind? Die lassen sich durch Produkte ersetzen, die man aktuell noch kaufen kann. Handelt es sich bei der Website um eine echte Authority-Site, also eine Website, die in der Lage ist, neue Beiträge für neue Keywords schnell in die Top 10 zu bringen? Und offenbart eine Keyword-Analyse noch große Potenziale, also viele Keywords, für die noch Content produziert werden kann? Das sind die positiven Aspekte, die der gute Cop anwendet, um zu schauen, ob er die Website kaufen möchte.

Der böse Polizist argumentiert mit den negativen Punkten. Erfordert die Nische ein unglaubliches Level an Knowledge? Muss man beispielsweise ein ganzes Buch lesen, um einen neuen Beitrag schreiben zu können? Sind extrem viele Updates notwendig? Handelt es sich um eine Nische, die sehr schnell wieder verfällt? Matts Beispiel: Hoverboards. Sind die Seiten, die oberhalb dieser Website ranken, schon sehr alt und etabliert? Oder handelt es sich um eine Your-Money-or-Your-Life-Site beziehungsweise -Nische?

Matt verrät noch ein bisschen über das eigene Projekt, das sich in der Beauty-Nische befindet. Eine, wie er sagt, „Oh-Shit-Nische“, in der ständig was abgeht. Google Trends zeigt ständig den Weg nach oben. Die Website deckte, als sie sie damals gekauft haben, nur ungefähr 30 % der möglichen Themen ab. Außerdem war sie fast eine Authority-Website. Das heißt, neue Begriffe rankten nach ungefähr anderthalb Monaten. Das ist schon schnell, kann aber verbessert werden.

Diese Beauty-Website hat beim Kauf 51.000 Dollar gekostet und monatlich einen Profit von knapp über 2.000 Dollar abgeworfen. Sie wurde zu 100 % über private Angebote monetarisiert, also kein Amazon. Dazu kamen monatlich 38.000 Besucher, 51 Backlinks und 164 Keywords in den Top 10.

Der Super Audit und die Word-of-Mouth-Research

Als Nächstes geht es um den sogenannten Super Audit, also die Analyse der Website. Dazu guckt er sich vor allem die Konkurrenz an. Zuerst wird für jede Kategorie das Hauptkeyword ermittelt. Im Ahrefs Keyword Explorer lässt sich dann unter „Also rank for“ eine ganze Reihe von Keywords und Ideen für Inhalte ermitteln.

Ein Beispiel für eine Website zum Thema Golf wären Begriffe wie „Was ist der beste Golf-Driver?“ oder „Was ist der beste Golf-Putter?“. Die steckt man in das Tool, und das Tool spuckt alle anderen dazugehörigen Keywords aus, für die diese Websites auch noch ranken. Matt sagt, damit sei die Kategorie-Keyword-Analyse erledigt. Die muss man nur für jede einzelne Kategorie wiederholen.

Danach schaut man sich die Keywords an, die auf Position 5 bis 10 ranken. Diese ließen sich eventuell mit gezielten Ankertexten oder durch Herumspielen an der Keyword-Density nach vorne befördern.

Wichtig ist auch, Keywords zu finden, die sogenannte Accidental Rankers sind. Das sind Keywords, die auf Seite 2 oder 3 ranken. Als Beispiel nennt er „Best Ergonomic Chairs“ als Hauptkeyword. Jetzt rankt diese Seite aber auch noch für „Scoliosis Ergonomics“, einen informationellen Nebenbegriff sozusagen. Und nun geht es darum, für diesen Nebenbegriff eine eigene Seite zu bauen, die auch wirklich Chancen hat, gute, solide Rankings für diesen Begriff zu bekommen.

Im nächsten Schritt empfiehlt Matt etwas, was ich sehr interessant finde, und zwar die sogenannte Word-of-Mouth-Research. Es geht darum, die besten Produkte oder Themen in einer bestimmten Nische zu finden. Dafür kann man auf der einen Seite Keyword-Tools wie Answer the Public verwenden. Man kann aber auch Fragen in Facebook-Gruppen, wenn es welche gibt, auf Quora oder auf Reddit absetzen.

Im Prinzip geht es darum, eine einfache Frage zu stellen wie: „Hey guys, have you ever had any bla bla bla work for you? If so, which ones?“ Also: Kennt ihr irgendwas, was in dem und dem Fall funktioniert oder nicht? Dann sammelt man die Antworten der Diskussionsteilnehmer und gewinnt daraus Erkenntnisse, was die Themen und Produkte in der Nische sein können. Sehr guter Ratschlag.

On-Site-Optimierung

Matt erklärt im weiteren Verlauf diverse kleine Tricks aus der Suchmaschinenoptimierung: Titeloptimierung und Meta-Description, Geschwindigkeitsverbesserung, gute Einleitungsparagrafen, das Ersetzen von Produkten, die nicht gut funktionieren, überall gute Featured Images einbauen und so weiter. Das sind eigentlich Sachen, die selbstverständlich sind und die ich nicht noch einmal groß wiederholen möchte. Wenn dich das im Detail interessiert, dann schau dir einfach das Video an.

Ich höre für den deutschsprachigen Bereich immer wieder die Empfehlung zu Termlabs, also termlabs.io. Da muss man sich erst relativ aufwendig anmelden. Allerdings wird das Tool auch von allen möglichen Seiten empfohlen.

Linkaufbau: 140 Links in 20 Monaten

Als Nächstes geht es um das Thema Links. Hier empfiehlt Matt zuerst einmal, einfach ein paar Links zu kaufen, die genau den Ankertext haben, den man sich für eine entsprechende Seite wünscht. Er sagt es nicht direkt heraus, aber das ist meine Annahme. Das macht man für die Seiten und Begriffe, die auf der ersten Seite ranken, aber eben im unteren Bereich.

Interessant ist auch die Aufschlüsselung der Strategien, die Matt verwendet hat, um die Website zu ranken. Insgesamt wurden 140 Links aufgebaut.

Angefangen hat er mit dem Sniper-Outreach, bei dem ganz gezielt E-Mail-Anfragen an Leute mit hoher Autorität versendet werden. Dabei hat er insgesamt 29 Links aufgebaut. Als Zweites kam die sogenannte Shotgun-Strategie, bei der Tools verwendet werden, mit denen sich Tausende und Abertausende von E-Mails versenden lassen. Die Hoffnung ist: Wenn ich 100.000 E-Mails verschicke, kriege ich eine Handvoll Links dabei heraus. 28 Links hat er so aufgebaut.

Er selbst betreibt außerdem einen Gastbeitragsservice, die sogenannten Authority Builders. Hier wurden Gastbeiträge in themenrelevanten Blogs veröffentlicht, insgesamt 36 davon. Weitere 29 Links kamen über Editorials. Er sagt nicht genau, was das bedeutet, aber ich denke, das sind auch gekaufte Beiträge auf Websites, die so etwas anbieten.

Und dann hat er noch 18 Links über eine Dienstleisterin aufgebaut, die sich Minuca Elena nennt und auf sogenannte Expert Roundups spezialisiert ist. Dabei werden zu bestimmten Themen Expertenlisten erstellt. Diese Experten werden interviewt, und die Antworten werden in einem Expert Roundup veröffentlicht, also einem Beitrag, in dem 15, 20 oder 25 Experten vorkommen. Diese Experten werden dann gebeten, auch auf den Beitrag zu verlinken. Ich kann mir gut vorstellen, dass das damals gut geklappt hat. Das hat nochmal 18 Links gebracht. Insgesamt waren das 140 Links in circa 20 Monaten.

Nach der Sandbox: Content und Monetarisierung

Matt sagt auch: Egal, wie viele Links man aufbaut oder wie viel Content man publiziert, am Anfang hängt man in dieser Sandbox fest und kommt nicht über Rankings hinaus, die auf Seite 5 liegen. Wer aber in die glückliche Lage kommt, den Linkmangel überwunden zu haben und aus der Sandbox auszubrechen, für den geht es darum, diesen neuen Autoritätsstatus zu nutzen und Content zu publizieren, was das Zeug hält.

Matt benutzt dazu von Ahrefs den sogenannten Newly Discovered Keyword Explorer, aber auch ein Tool namens Awario, Mention.com und Google Alerts. Am interessantesten erscheint mir das Keyword-Explorer-Tool von Ahrefs. Er gibt dort den Begriff „College Essays“ ein. Hier kann man die Liste der Beiträge sehen, die für diesen Begriff schon ranken und Links bekommen haben. Die kann man „kopieren“, in Anführungsstrichen, also umschreiben, sich zu eigen machen und natürlich besser machen, als sie jetzt schon existieren. (Anmerkung: Mention wurde laut Hinweis auf der Website von Agorapulse übernommen.)

Der nächste Punkt ist die Monetarisierung. Das ist sehr interessant, auch wenn vielleicht nicht alles davon im deutschsprachigen Raum geht. Zuerst wird empfohlen, mit E-Mail-Listen und Leadmagneten zu arbeiten. Es geht darum, hyperattraktive Seiten zu bauen und dort etwas kostenlos zum Download anzubieten. Im Gegenzug muss der Besucher seine E-Mail-Adresse hinterlassen. Darüber bekommt er täglich E-Mails, und in der dritten oder vierten E-Mail gibt es dann einen Pitch. Hier wird etwas verkauft.

Der zweite Tipp ist lustig, wenn auch im deutschsprachigen Raum wahrscheinlich riskant bis illegal. Er verkauft seinen Facebook-Pixel im Prinzip an die Unternehmen, für die er Affiliate ist. Die sind natürlich auch am Traffic sehr interessiert und daran, ihre eigenen Angebote an die E-Mail-Abonnenten zu machen. Wow, wenn das nicht mit den aktuellen Datenschutzgesetzen in Konflikt gerät.

Der Exit: Wann und für wie viel verkaufen

Zum Schluss geht es darum, wann der richtige Zeitpunkt ist, die Seite zum Verkauf anzubieten. Dazu schaut sich Matt die Trendentwicklung der jeweiligen Nische bei Google Trends an, und auch die vergleichbarer Nischen, über die letzten 5, 6, 7, 8 Jahre. Er versucht zu ermitteln, wann sich Trends abflachen. Fast überall flachen solche Trends irgendwann ab, in manchen Nischen vielleicht nicht, zum Beispiel bei Hochzeit. Aber man muss ein Gefühl dafür kriegen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, die Website auf dem Markt anzubieten.

Am Ende hat Matt die Website für circa 700.000 Dollar verkauft. Das war wohl ein Multiplikator von 34, und der wird auf den Monatsgewinn angewendet, und zwar im Durchschnitt der letzten zwölf Monate. Wenn im letzten Monat 50.000 Dollar Gewinn erzielt wurden, reicht das noch nicht für eine Bewertung von 40 mal 50.000. Hier werden die letzten zwölf Monate zugrunde gelegt. Macht Sinn, ist klar.

Alles in allem ist das eine schöne kleine Case Study, auch wenn wir die Website nicht kennen und nie kennenlernen werden. Ich finde es ganz interessant, auch wenn er natürlich ein bisschen aggressiv vorgeht, was im Affiliate-Bereich nicht unbedingt unüblich ist. Es waren doch ein paar nette kleine Informationen drin, aus denen man ein wenig lernen kann.

Wann baust du dein nächstes Affiliate-Projekt auf? Jetzt im Moment scheint mir eine gute Zeit dafür zu sein, denn bis zum Verkauf dauert es ja ohnehin noch ein bis zwei Jahre. Viel Erfolg dabei wünsche ich dir, und bis zur nächsten Folge.