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Der Linkdistanz-Rankingalgorithmus aus Googles Patenten
Roger Montti schreibt über Googles Linkdistanz-Patent:
Producing a ranking for pages using distances in a web-link graph
Neben einer Erklärung gibt er auch Hinweise, wie wir dafür optimieren können. Der Link zum Originalartikel: Link Distance Ranking Algorithms
Transkript dieser Folge
Automatisch erstellt und leicht bearbeitet. Anmerkungen in Klammern sind Ergänzungen vom 24. Oktober 2026.
Der Beitrag von Roger Montti
Roger Montti schreibt am 18. Mai 2019 auf searchenginejournal.com den Beitrag „Link Distance Ranking Algorithms“.
Roger ist der Meinung, dass dieser Teil des Algorithmus in der Community deutlich zu selten besprochen wird. Auch wenn wir nicht wissen, welche Patente Google tatsächlich regelmäßig in der Praxis einsetzt, lohnt es sich oft, diese Patente allein schon wegen des Verständnisses hin und wieder unter die Lupe zu nehmen.
Mithilfe dieser Methode kann eine Suchmaschine Rankings produzieren, indem sie die Distanzen innerhalb des Web-Link-Graphen misst.
Was ist der Link-Graph?
Falls du den Begriff Link-Graph noch nie gehört hast: Der Link-Graph ist die Ansammlung aller Links, die es im WWW gibt. Er ist deswegen ein Graph, weil man sich vorstellen kann, dass es verschiedene Punkte gibt, die miteinander verbunden werden. Die Punkte spiegeln die Seiten wider, und die Kanten oder Linien zwischen den Seiten sind die Links.
Wenn du auf einem Blatt Papier Kästchen für alle Seiten malst, die es im WWW gibt, und diese Seiten dann mit Linien untereinander verbindest, so wie es auch tatsächlich im WWW passiert, dann hast du den Link-Graph aufgemalt. Keine Frage, dein Blatt Papier muss wahrscheinlich so groß sein, dass es von der Erde bis zur Sonne reicht.
Das Patent nennt diese Berechnungsmethode beziehungsweise den Wert, der dabei herauskommt, eine Variation des PageRank. Das Problem: Um diesen PageRank-Wert auszurechnen, muss jeweils der gesamte Link-Graph kalkuliert werden. Das erfordert natürlich eine ganze Menge Rechenpower. Diese Form der Kalkulation kann Google wahrscheinlich nicht in Echtzeit durchführen.
Interessant ist: Roger weist darauf hin, dass Penguin zum Beispiel jährlich oder halbjährlich ausgespielt wurde und dass hier vielleicht dieser Link-Distanz-Algorithmus zum Tragen gekommen ist. Wer sich noch daran erinnern kann: Die Penguin-Bestrafung hat in der Regel so lange gedauert, bis Google Zeit hatte, das neue Update einzuspielen.
Seed-Pages und Link-Distanz
Dieser Algorithmus heißt Längen-Algorithmus, und dementsprechend werden Längen berechnet. Das Patent beschreibt sinngemäß, dass diese Längen aus den Eigenschaften der Links und auch aus den Eigenschaften der Seiten berechnet werden, die zu diesen Links gehören.
Außerdem gibt es einen Satz sogenannter Seed-Pages. Das sind Seiten, die vorab als Startpunkte ausgewählt wurden, an denen der Algorithmus startet. Ich denke, in der Praxis kann man sich das so vorstellen, dass zum Beispiel tausend gute Websites von Hand ausgewählt und in das Serversystem gefüttert werden. Das System crawlt von diesen Seiten aus alle möglichen weiteren Seiten, um so das gesamte WWW zu entdecken. Was dabei herauskommt, ist ein Wert für die Link-Distanz. Und weil alle möglichen Websites im weiteren Verlauf auch untereinander verlinkt sind, kann sich dieser Wert verändern.
Sagen wir, spiegel.de verlinkt direkt auf die Wikipedia. Die Link-Distanz ist somit eins. Wenn ich vorher bestimmt habe, dass ich spiegel.de besonders vertraue, dann ist die Distanz zu Wikipedia ein positives Signal, denn eine besonders vertrauenswürdige Website verlinkt auf die Wikipedia.
Ein weiteres Beispiel: Stern.de verlinkt nicht auf die Wikipedia, aber auf Zeit.de, und Zeit.de verlinkt auf die Wikipedia. In diesem Fall wäre die Link-Distanz schon zwei. Je kürzer die Distanz zu diesen Seed Sites ist, desto besser.
Soweit, so gut. Allerdings schreibt Roger auch, dass in der Forschung qualitativ hochwertigere Ergebnisse herauskamen, wenn als Startpunkt unterschiedliche Seed Sets verwendet werden, jeweils nach Themengebiet sortiert. In der Praxis könnte man sich das so vorstellen: Es gibt nicht ein Seed Set für das gesamte WWW, sondern eines für den Bereich Sport, eines für den Bereich Ernährung, eines für den Bereich Politik und so weiter. Google spricht im Patent von etwas, das sich Reduced Link Graph nennt. Genau das könnte damit gemeint sein.
Müll rausfiltern: Das Kernzitat
Der Sinn und Zweck dieser Berechnung liegt laut Roger, aber auch laut dem Patent darin, Müll rauszufiltern. Ein Kernzitat aus dem Dokument, ich übersetze direkt ins Deutsche:
„Der frühe Erfolg von linkbasierten Ranking-Algorithmen basierte auf der Annahme, dass Links einen impliziten Wert der Zielseiten widerspiegeln. Heutzutage existieren allerdings viele Links, die aus anderen Gründen existieren, als Autorität zu transferieren. Solche Links reduzieren die Signalstärke der Analyse und bedrohen die Qualität der Ergebnisse. Um Suchergebnisse von hoher Qualität zu garantieren, ist es notwendig, solche Links zu erkennen und deren Einfluss zu reduzieren. Mithilfe eines Bezeichners können solche Links erkannt und aus der Berechnung entfernt werden. Danach kann die gewohnte Link-Analyse auf den verbleibenden reduzierten Link-Graphen angewendet werden.“ Zitat Ende.
Interessant sind hier einige alte Bekannte. Zum einen „confer authority“, wie es im Original heißt: Autorität im Sinne der Suchmaschinen wird durch Links übertragen. Roger weist darauf hin, dass News-Portale wahrscheinlich innerhalb des ursprünglichen Seed Sets angesiedelt sind.
Google hat in der Vergangenheit immer wieder behauptet, es gebe kein Negative SEO, also die Sabotage der Rankings einer Website durch das Setzen vieler Spam-Links. Vielleicht kann man darüber so nachdenken: Wenn der Link-Distanz-Algorithmus ohnehin die Spam-Links aus dem Netz entfernt, haben Links von diesen Seiten gar keine Auswirkungen auf das Ranking anderer Websites.
Themenrelevante Links: Meine Ergänzung
Roger stellt eine weitere interessante Vermutung auf. Ein reduzierter Link-Graph ist so viel einfacher zu analysieren, und die Qualität der Link-Graphen verbessert sich, wenn sie auf verschiedene Themengebiete ausgerichtet werden. Deshalb solle man sich darauf konzentrieren, Links von Websites zu erhalten, die im gleichen Themengebiet publizieren.
Ich halte das durchaus für eine gute Idee, allerdings nicht, um das Ranking zu verbessern, sondern eher, um zu verhindern, dass Google die eigene Website herausrechnet. Das ist eine ganz wichtige Unterscheidung. Ich weiß aus vielen persönlichen Gesprächen, dass Diskussionsteilnehmer bei so einem Argument immer wieder sagen: „Aha, jetzt brauche ich also doch keine Links von Websites aufzubauen, die mit meinem Thema nichts zu tun haben.“ Das stimmt nur bedingt.
Links aus themenrelevanten Bereichen helfen Google dabei zu bestimmen, ob deine Website zu nah am Spam-Pool liegt. Nach der Theorie bringen dir auch die anderen Links nichts mehr, wenn du einmal aus dem großen Einflusskreis herausfällst.
Wir müssen aber auch bedenken, dass Roger hier nur eine Vermutung aufstellt. Und Google ist durch Entwicklungen in der Hardware und andere Fortschritte unter Umständen mit anderen Methoden zur Berechnung des Rankings mittlerweile weitergekommen. Wir erinnern uns ja auch daran, dass Penguin 4 das letzte Penguin-Update war und Google seit 2016 die Link-Distanz-Analyse, falls sie sie noch machen, tatsächlich in Echtzeit vollzieht.
Distanz im Information Retrieval
Roger verweist noch auf ein Dokument der Stanford University, an der auch die beiden Google-Gründer studierten. Darin geht es um die Frage, was Distanz in der Information-Retrieval-Wissenschaft tatsächlich bedeuten könnte. Messen kann man zum einen, ob es mehrfache Verbindungen gibt, wie gut die Qualität dieser Verbindungen ist und ob es direkte oder indirekte Verbindungen sind.
Ich denke, man kann das vielleicht so übersetzen: Die direkte Verbindung ist ein echter Link, und die indirekte Verbindung wäre eine unverlinkte Erwähnung, die Google dennoch zuordnen kann. Länge, Winkel und Gewicht spielen auch noch eine Rolle. Alles sind Werte oder Typen von Werten, die ausgerechnet werden können.
Fazit: Nicht nur themenrelevant
Roger schließt mit einem Fazit: Es gebe viele Leute, die um ihren PageRank oder DA/PA besorgt sind, wie auch immer der Wert nun lautet. Diese Besorgnis sei mittlerweile gar nicht mehr angebracht. Beim Linkaufbau solle man sich eher Gedanken darüber machen, ob die Link-Distanz dieser Links tatsächlich einen positiven Einfluss auf die Qualität des eigenen Link-Profils hat.
Ich habe meine Hauptkritik bereits angebracht. Es liegt mir fern, Roger hier persönlich zu kritisieren. Es ist vielmehr besonders löblich, dass uns jemand wie Roger an diese Basics erinnert. Das finde ich super.
Es ist jedoch wichtig, genau hinzulesen oder, für dich, genau hinzuhören. Denn wie gesagt: So etwas wie die Link-Distanz, wenn sie denn in dieser Form heutzutage tatsächlich noch eingesetzt wird, entscheidet unter Umständen nur darüber, ob du hinten herausfällst. Sie befreit niemanden davon, das eigene Link-Profil durch gute, eventuell themenrelevante Links zu erweitern. Die Betonung liegt hier auf „eventuell themenrelevant“.
Ich muss immer wieder darauf hinweisen, dass es nicht nur notwendig ist, Links aus themenrelevanten Gebieten aufzubauen. Nicht nur, aber natürlich sollte man vor allem aus themenrelevanten Gebieten Links aufbauen, falls möglich. Aber versuch das mal als Finanzportal. Schon mal gesehen, dass Check24 auf FinanceScout24 verlinkt hat? Genau.
Ich wünsche dir viel Erfolg.