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CLS 49

E-A-T-Philosophie – Was steckt wirklich hinter den Begriffen?

· von Saša Ebach · aktualisiert am

Kann man eigentlich auf E-A-T optimieren?

Roger Montti ist der Auffassung, dass man nicht wirklich auf E-A-T optimieren kann. Aber stimmt das wirklich? Ich habe da eine leicht andere Meinung. Zum Schluss bleibt aber genügend Raum für beide Auffassungen.

Surprising Facts About E-A-T

Transkript dieser Folge

Automatisch erstellt und leicht bearbeitet. Anmerkungen in Klammern sind Ergänzungen vom 24. Oktober 2026.

Roger Montti über E-A-T

Roger Montti schreibt am 7. Januar 2020 den Beitrag „Surprising Facts About E-A-T“, also überraschende Fakten zu Expertise, Autorität und Vertrauen, im Englischen Trustworthiness. Der Beitrag ist bei searchenginejournal.com erschienen. Ich sauge wirklich jeden Beitrag auf, der auch nur im Entferntesten etwas mit E-A-T zu tun hat.

Für mich ist es aus der Perspektive der Suchmaschinenoptimierung, aber auch allgemein als Publikation, so entscheidend, sich intensiv damit auseinanderzusetzen, was das eigentlich genau bedeutet. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass Google genau den gleichen Prozess durchmacht. Die wissen es auch noch nicht zu 100 %. Deswegen aktualisieren sie ihre Quality Rater Guidelines auch permanent.

Roger ist ein Industrie-Veteran und hat einfach manchmal ziemlich gute Meinungen, nicht nur Meinungen, auch Interpretationen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Expertise, Autorität und Trustworthiness Begriffe sind, die den Ratern, also den Qualitätsprüfern bei Google, dabei helfen sollen, Inhalte und die Herausgeber oder Schreiber von Inhalten auf Qualität hin zu überprüfen. E-A-T ist noch nicht im Google-Algorithmus repräsentiert. (Anmerkung: Google hat E-A-T im Dezember 2022 um „Experience“ (Erfahrung) zu E-E-A-T erweitert.)

Was haben Links mit Autorität zu tun?

Roger widmet sich zuerst der Frage, was Links eigentlich mit Autorität zu tun haben. Links gehen im Prinzip auf eine Beurteilung zurück, die er Editorial Judgment nennt: Der Autor einer Seite beurteilt die Seite, die er verlinkt.

Ich würde hier persönlich noch ein bisschen tiefer einsteigen. Stell dir vor: Ich schreibe einen Artikel, recherchiere dazu, suche mir Quellen heraus und lese mir die Seiten durch. Das, was da steht, macht Sinn, das gefällt mir. In dem Moment, in dem ich entscheide, diese Seite als Quelle zu zitieren oder zu verlinken, wird im Gehirn ein Schalter umgelegt. Ich verlinke auf diese Seite und vielleicht nicht auf die anderen drei, die ich auch gefunden habe, weil mir diese persönlich am besten gefällt.

Wenn diese Entscheidung auch von vielen anderen Autorinnen und Autoren im Netz getroffen wird, die Seite also oft verlinkt wird, dann übertragen wir gemeinsam etwas, das sich Autorität nennt. Wir erkennen an, dass der Autor Expertise hat und sich in dem auskennt, worüber er schreibt, und honorieren das mit einem Link, mit einem Transfer von Autorität.

Es geht laut Roger noch weiter. Links können nicht nur Autorität kommunizieren, sondern auch, dass eine Seite Expertenstatus hat oder zum entsprechenden Thema Informationen mit viel Expertise vermittelt. Außerdem transferiert der Link auch Vertrauen, also Trust. In der Regel vertrauen wir den Inhalten, auf die wir verlinken. Wenn wir wissen, dass etwas gelogen ist, verlinken wir vielleicht auch darauf, aber normalerweise belegen wir mit Links unsere Quellen und Aussagen. Damit sagen wir unseren Lesern: Hier kannst du draufklicken und nachlesen, auf der anderen Seite findest du Belege oder Fortsetzungen von Inhalten. Ich würde dich nicht irgendwohin schicken, wenn ich dieser Person, dieser Website, dieser Seite nicht wirklich vertrauen würde.

Ein kompliziertes Konzept

Wir sehen, wie unglaublich kompliziert die ganze Thematik mit E-A-T ist. Roger schreibt als Nächstes, dass E-A-T so etwas wie ein Konzept ist. Das E lässt sich nicht immer vom A und T differenzieren, das A nicht vom E und T und das T nicht vom E und A. Ja, es ist kompliziert. Das Internet ist eben kompliziert, und wer das Internet beurteilen möchte, muss sich komplizierte Konzepte dafür ausdenken. Das eine kann unter Umständen nicht einfach für das andere stehen. E, A und T brauchen sich immer gegenseitig.

Expertise: Lässt sie sich demonstrieren?

Roger behauptet auch, man könne nicht für Expertise optimieren. Da bin ich leicht anderer Meinung, aber schauen wir uns erst mal an, was er sagt. Expertise sei ein Konzept, eine Meinung, und man könne kein Urteil darüber fällen, dass der eigene Content expertenhaft ist. Man kann ein Experte sein, aber letztendlich bestimmen immer andere Leute, ob man ein Experte ist oder nicht. Expertise sei also ein subjektives Empfinden.

Genau das ist der Grund, warum ich bei Expertise immer sage: Sie lässt sich demonstrieren. Das ist jetzt von mir. Wenn ich als Experte wahrgenommen werden möchte, kann ich mich fragen, wie andere Leute als Experten wahrgenommen wurden und was die dafür gemacht haben. Das kann für jeden Bereich unterschiedlich sein.

Nehmen wir als Beispiel, ich möchte als Experte für das Keksebacken wahrgenommen werden. Ich kann ein bestimmtes Keksrezept auf den Prüfstand stellen und mit den Zutaten experimentieren: mal mehr Mehl, mal mehr Zucker. Ich kann demonstrieren, wie sich die Textur des gebackenen Kekses unterscheidet, und darüber sprechen, wie auch der Geschmack anders ist.

Dazu habe ich tatsächlich mal ein YouTube-Video gesehen. Einer der Bäcker aus der Tasty-Redaktion, also vom Tasty-Kanal bei YouTube, hat den amerikanischen Chocolate Chip Cookie auf verschiedene Arten zubereitet. Du findest das, wenn du auf YouTube nach Chocolate Chip Cookies und Tasty suchst. Einen Keks hat er, glaube ich, nach 20 Minuten in der Mikrowelle fertiggestellt. Ein weiteres Rezept war nach ungefähr drei oder vier Stunden fertig. Beim dritten Rezept hat er die Teigkomponenten zusammengerührt und das Ganze drei Tage im Kühlschrank fermentieren lassen.

Beim Fermentieren passiert das Gleiche wie beim Brot. Wenn man Brotteig einen Tag stehen lässt, entwickelt er viele verschiedene Geschmackskomponenten. Das schmeckt einfach besser, brotiger, sagt man auch. Ich habe das noch nicht nachgebacken, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieser dritte Keks besonders gut schmeckt und einen sehr tiefen, komplexen Geschmack hat.

Nachdem ich dieses Video gesehen hatte, habe ich mir gedacht: Mensch, der Typ hat's drauf. Der ist wirklich Experte. Der ist sogar auf die Idee gekommen, seinen Cookie Dough fermentieren zu lassen. Was er für mich gemacht hat, ist Expertise demonstrieren. Er hat mir gezeigt, wie man mit ungefähr den gleichen Zutaten, aber drei verschiedenen Zubereitungsmethoden den Geschmack eines Kekses immer weiter verbessern kann. Okay, genug über Kekse, ich kriege langsam Hunger. Gehen wir zurück zum Beitrag.

Autorität: Optimieren oder begünstigen?

Die nächste Frage ist die nach der Autorität, im Englischen Authoritativeness, ziemlich schwierig auszusprechen. Ich sage verkürzend einfach Authority oder Autorität. Auch hier sagt Roger, man könne nicht wirklich für Autorität optimieren. Und ich widerspreche, also nicht wirklich, denn er hat recht: Man kann nicht wirklich für Autorität optimieren, denn Autorität ist etwas, das man hat. Wenn die Suchmaschine Autorität umsetzt, dann zum Beispiel in Form des PageRank. Und auf PageRank kann ich nicht optimieren. PageRank ist eine Zahl, die errechnet wird, nachdem Daten für eine Seite, also zum Beispiel die Anzahl der Links, gesammelt und aggregiert wurden.

Es lässt sich aber durchaus begünstigen, dass jemand einen Link setzt oder vielleicht einfach nur die eigene Website oder Seite erwähnt. Es ist gemeinhin bekannt, dass Leute, Linkgeber im Speziellen, eher ungern einen Link auf eine Seite setzen, die in einer kommerziellen Umgebung existiert. Wenn ich meine Informationsartikel in meinem Online-Shop veröffentliche und auf diesen Artikeln überall Warenkorbsymbol, Preise und Angebote zu sehen sind, ist das sicherlich nicht für externe Verlinkung optimiert.

Genauso kann ich bewusst Entscheidungen zu den Themen treffen, die ich auf der Website veröffentliche. Es ist durchaus möglich, Themen zu wählen, die bekanntermaßen eher Links anziehen, weil andere dafür schon Links bekommen haben. Andere Themen sind vielleicht wichtig und gut, aber total langweilig und haben keine wirkliche Link-Zielgruppe. Dementsprechend kann ich auch auf Autorität optimieren. Oder ich kann wenigstens so optimieren, dass es wahrscheinlicher wird, dass andere Leute meine Autorität bestätigen, indem sie mich erwähnen oder einen Link setzen.

Autorität kommt immer von außen. Ich kann nicht von mir selbst sagen, ich bin die Autorität auf diesem Gebiet. Jemand anderes muss sagen, das ist die Autorität auf diesem Gebiet. Okay, genug Haarspalterei dazu.

Trustworthiness und der Vergleich mit dem Alt-Attribut

Beim Thema Trustworthiness, für das man laut Roger natürlich auch nicht optimieren kann, zitiert er zunächst ein bisschen Forschung aus dem Bereich Knowledge-Based Trust und zu Link-Distance-Ranking-Algorithmen, also dazu, wie weit ein Link von einer Website entfernt ist, der sehr vertraut wird. All diese Forschung hat mit der Trustworthiness aus E-A-T nichts zu tun. Auch das Vertrauen in etwas sei ein reines Konzept.

Roger bringt es noch mal auf den Punkt. Er sagt, all diese Sachen sind Konzepte, und schreibt dann, E-A-T seien Beschreibungen oder Wahrnehmungen der eigenen Website oder des Contents, also Dinge, die eine Seite oder Website sein könnte, aber nichts, wofür man optimieren könne. Und wenn Roger „optimieren“ sagt, dann meint er so etwas, wie einem Bild einen Alt-Tag, eigentlich ein Alt-Attribut, hinzuzufügen.

Aber ich weiß nicht. Nehmen wir an, ich will das Vertrauen auf einer Website steigern. Ich habe einen Online-Shop mit einer Produktseite, auf der man das Produkt in den Warenkorb legen kann. Dort, wo der Button „Zum Warenkorb hinzufügen“ ist, kann ich weitere Informationen unterbringen, vielleicht zu den Versandkosten, aber auch dazu, dass es eine Geld-zurück-Garantie gibt oder dass man die Produkte statt der gesetzlichen 14 Tage 30 Tage lang zurückschicken kann. Das dürfte auf jeden Fall vertrauenssteigernd wirken.

Weiterhin kann ich erlauben, dass Leute Rezensionen zu den Produkten schreiben. In so einer Rezension steht dann vielleicht: Das Produkt ist direkt nach zwei Tagen angekommen, es war super, gerne wieder. So habe ich es selbst schon tausendfach auf eBay gesehen. Jetzt kann ich als CEO hingehen, mir die Liste der Rezensionen ansehen und die heraussuchen, die das Vertrauen in den Anbieter, also in den Online-Shop-Betreiber, am ehesten steigern würden. Die schiebe ich dann nach oben. Das kommt meiner Ansicht nach schon sehr nah an das Hinzufügen eines Alt-Attributes heran.

Autoreninformationen: sinnvoll oder SEO-Erfindung?

Das ist der Kern des Beitrags. Es gibt zwar noch weitere Informationen, aber die erste Hälfte hat mich am meisten zum Nachdenken gebracht. Eine kleine überraschende Information gibt es noch, der ich von ganzem Herzen zustimmen kann. Aber auch hier muss man differenziert schauen. Es geht darum, ob es im Zusammenhang mit der Optimierung für E-A-T sinnvoll ist, jedem Beitrag Autoreninformationen hinzuzufügen. Also: Saša Ebach ist Autor für Content, Links und SEO, hat jene Erfahrung und so weiter. Eine Art Vita, sodass der Leser selbst überprüfen kann, ob die Person sich in dem Bereich wirklich auskennt, oder zumindest ein Gefühl dafür bekommt.

Roger schreibt, dass die Idee dazu aus einer Art Misuse, also Missbrauch, der Quality Rater Guidelines entstanden ist. Wer die Guidelines liest, sieht, dass die Rater recherchieren sollen. Sie sollen erst mal überprüfen, ob der Inhalt des Textes auf der Seite stimmt, ob er vielleicht dem wissenschaftlichen Konsens entspricht. Das sind jetzt alles Informationen von mir, nicht von Roger. Also ob die Inhalte wahrheitsgetreu und glaubwürdig sind. Aber auch, was über die Website oder die Autoren des Beitrags sonst noch im Internet geschrieben wird. Die Quality Rater sollen tatsächlich auf andere Websites gehen, selbst auf Wikipedia, um herauszufinden, ob die Seite, die Autoren und die Website-Betreiber eine hohe Qualität haben.

Roger behauptet, dass selbst geschriebene Autoreninformationen zur Optimierung von E-A-T etwas sind, das sich SEOs ausgedacht haben, nachdem sie die Quality Rater Guidelines gelesen haben. Ich denke, da hat er nicht ganz unrecht. Aber es gibt ja nicht über alles Informationen im Internet, viele Suchanfragen laufen ins Leere. Deshalb sollte man solche Autoreninformationen dennoch veröffentlichen, denn unter Umständen kann man damit Informationen preisgeben, die sonst gar nicht zu finden sind.

Ein Beispiel: Ich backe selbst schon seit vielen Jahren gerne Brot und bin mittlerweile recht gut darin, würde ich behaupten. Ich habe auf jeden Fall schon viel begeisterte Bestätigung von Leuten auf der ganzen Welt für mein Brot bekommen. Öffentlich erzählt habe ich das aber noch nie. Sollte ich irgendwann einen Artikel dazu veröffentlichen, wer weiß, vielleicht mache ich das ja mal, dann macht es sicher Sinn, eine Autorenbox mit meiner Bio als Hobbybrotbäcker zu haben. Sie gibt dem Leser ein Gefühl dafür, dass ich vielleicht ein bisschen Expertise habe, ein bisschen Autorität verdiene und dass man mir diesbezüglich vertrauen kann. Das müssen dann immer noch andere Leute bestätigen. Dennoch finde ich das eine gute Praxis, die man umsetzen sollte.

Fazit: Kann man auf E-A-T optimieren?

Kann man für all diese Punkte optimieren, ja oder nein? Roger sagt nein, ich sage ja, und ich denke, wir haben beide recht. Roger hat einfach nur einen anderen Blickwinkel darauf. Ich sage das so salopp, aber letztendlich musst du dir deine eigene Meinung bilden.

Ich gehe jetzt lieber wieder Brot backen und schaue, was ich sonst noch für coole Artikel zum Thema Content, Links und SEO finde. Dir wünsche ich noch viel Erfolg bei der E-A-T-Optimierung.